»Mein Traum heißt Europa«, mit diesen Worten begann Msgr. Anton Otte aus Prag seine Predigt im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes der KHG in St. Paul. Geboren im Sudetenland kam Anton Otte als Spätaussiedler 1960 nach Deutschland und wurde Priester im Bistum Bamberg. Dort war er unter anderem als Krankenhaus– und Gefängnisseelsorger tätig. Besonders verbunden aber ist er seit Jahrzehnten der Ackermann-Gemeinde und dem Anliegen der Aussöhnung zwischen Deutschland und Tschechien. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrte er Anfang der 90er Jahre wieder nach Tschechien zurück und ist jetzt deutscher Auslandsseelsorger in Prag und Kanoniker einer der bedeutendsten Prager Kirchen, dem Vyhšerad.
In seiner Predigt beschrieb er seine Vision von Europa als einer Gemeinschaft, die vor allem anderen dem Frieden und der Versöhnung zwischen den Menschen dienen solle. Geschichtliche Verwerfungen, Kriege und Katastrophen ließen sich nicht einfach vergessen und ungeschehen machen — und dennoch habe die europäische Idee zweimal in diesem Jahrhundert bewiesen, dass sie die Kraft habe, Unheil und Verwüstung zu überwinden zugunsten von Frieden und Verständigung: weder die nationalsozialistische noch die kommunistische Ideologie konnten sich demgegenüber durchsetzen.
Damit das so bleibt und die Menschen in Europa niemals mehr zurückfallen in die Barbarei bedarf es einer andauernden Versöhnungs– und Verständigunsgbereitschaft. Christinnen und könnten dabei den Dienst einer »politischen Diakonie« leisten und am Maßstab des Evangeliums orientiert versöhnend und Frieden stiftend in die Gesellschaft hineinwirken.
Der Gottesdienst mit Msgr. Otte bildete den Auftakt einer thematischen Woche an der KHG zu »Schuld — Umkehr — Versöhnung«, die am kommenden Donnerstag mit einem Vortrag von Frau Dr. Gret Haller und am nächsten Sonntag mit einer Predigt von Pfr. Manfred Hanglberger fortgesetzt wird.



