Drei Tage Papstbesuch in Tschechien — ein persönlicher Bericht

Mar­kéta Kali­vo­dová (vie­len von uns sicher noch bekannt aus der Zeit ihres Gast­stu­di­ums bei uns in Regens­burg) hat aus nächs­ter Nähe den Papst­be­such vor einer Woche in Tsche­chien ver­folgt. Nur ca. ein Vier­tel der tsche­chi­schen Bevöl­ke­rung gehört der katho­li­schen Kir­che an, die Mehr­heit ist ohne Kon­fes­sion. Die Kir­che hat daher einen schwe­ren Stand im öffent­li­chen Leben — viele Fra­gen im Ver­hält­nis zwi­schen Kir­che und Staat sind unge­löst. Darum hatte der Besuch des Paps­tes hatte eine große Bedeu­tung für die Min­der­heit der akti­ven Chris­ten im Land. Mar­ké­tas Bericht gibt uns über den aktu­el­len Anlass hin­aus einen Ein­blick in die Situa­tion der tsche­chi­schen Kirche.

papst_v_klausIch freue mich sehr, mei­ner lie­ben KHG einen per­sön­li­chen Bericht über den Papst­be­such in unse­rem Land geben zu kön­nen. Bene­dikt XVI. hat in Tsche­chien drei Tage mit einem rei­chen Pro­gramm ver­bracht. Natür­lich hat er auch Prag besucht, wo er sich unter ande­rem mit Poli­ti­kern und Aka­de­mi­kern getrof­fen hat, aber dies war nicht das Haupt­ziel sei­ner Reise. Er hat als ers­ter Papst die zweit­größte Stadt Tsche­chi­ens Brno (Brünn) besucht. Den Got­tes­dienst auf dem Brün­ner Flug­ha­fen haben etwa 120.000 Leute mit­ge­fei­ert. Für mich per­sön­lich war aber der Höhe­punkt der Got­tes­dienst in Stará Bole­s­lav – die Stadt, in der der hei­lige Patron unse­res Lan­des, Wen­zel, von sei­nem Bru­der Bole­s­lav ermor­det wurde. Erst vor ein paar Jah­ren hat man im tsche­chi­schen Par­la­ment durch­ge­setzt, dass der Gedenk­tag an die­ses Ereig­nis, der 28. Sep­tem­ber, als staat­li­cher Fei­er­tag gefei­ert wird. Die­ses Jahr war die Feier dank dem Besuch des Paps­tes viel grö­ßer. Zum Früh­got­tes­dienst in Stará Bole­s­lav sind etwa 50.000 Pil­ger gekom­men. Dabei hat der Papst über die Bot­schaft des Hei­li­gen Wen­zel gepre­digt und auf ihn als Vor­bild hingewiesen.

Die von den Nicht-Glaubenden erwar­te­ten The­men wie Kon­dome oder Homo­se­xua­li­tät blie­ben uner­wähnt. Nach dem Got­tes­dienst haben Ver­tre­ter der Jugend dem Papst zwei Geschenke gege­ben: ein Buch mit Foto­gra­fien aus dem Leben der jun­gen tsche­chi­schen Chris­ten und einen Scheck in Höhe von 300.000.000 Kro­nen (12.000.000 €) für die Kin­der in Afrika als Zei­chen der Soli­da­ri­tät der rei­chen Län­der mit den Armen.

Das Timing der Apos­to­li­schen Reise nach Tsche­chien war wegen der stän­di­gen poli­ti­schen Krise nicht ganz glück­lich, trotz­dem hat der Papst mei­ner Mei­nung nach die Atmo­sphäre ein biss­chen erleich­tert, weil die Medien nicht mehr nur über die unsin­ni­gen Kon­flikte der Poli­tik berich­tet haben. Staats­prä­si­dent Václav Klaus hat den Papst die gan­zen drei Tage auf Schritt und Tritt beglei­tet und war bei den bei­den Got­tes­diens­ten anwe­send, was uns ziem­lich über­rascht hat. Die Frage eines Abkom­mens zwi­schen dem tsche­chi­schen Staat und dem Vati­kan, das schon seit Jah­ren auf eine Unter­schrift der Regie­rung war­tet, wurde nur kurz ange­spro­chen, aber der Vati­kan wollte auf die tsche­chi­schen Poli­ti­ker in der momen­ta­nen Situa­tion kei­nen Druck ausüben.

Zu den bei­den Got­tes­diens­ten sind viele Leute aus Tsche­chien, Deutsch­land, Öster­reich, der Slo­wa­kei und aus Polen gepil­gert. Viele Poli­zis­ten und Feu­er­wehr­män­ner waren bereit ein­zu­grei­fen, hat­ten aber kaum etwas zu tun – die Pil­ger waren sehr dis­zi­pli­niert, alles lief ohne Pro­bleme ab, wor­über sich die Medien gewun­dert haben. Auch so kön­nen wir Schritt für Schritt posi­tiv auf die rest­li­che Gesell­schaft wir­ken und ver­su­chen, die Vor­ur­teile gegen­über der Kir­che und den Gläu­bi­gen zu überwinden.

Nach Umfra­gen hat der Papst­be­such die Mehr­heit der tsche­chi­schen Gesell­schaft gestört. Die Kri­tik der Kir­che als Insti­tu­tion hält sich hart­nä­ckig und wird in der tsche­chi­schen Gesell­schaft wei­ter beste­hen. Aber mich per­sön­lich und auch viele mei­ner Freunde hat der Papst­be­such ermu­tigt und uns neue Impulse und neue inner­li­che Kraft gegeben.

Mar­kéta Kali­vo­dová; Foto: P. Jiří Pešek

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