In einem beispiellosen Projekt werden die 100 besten Filme vorgestellt – von den Anfängen bis zur unmittelbaren Gegenwart. Jeder Abend beginnt mit einer fundierten Einführung von Dr. Helmut Hein. Nach der Vorführung gibt es in einem Kinoseminar die Gelegenheit zu vertiefenden Fragen und einer kontroversen Diskussion des Films.
Im Regina Filmtheater (Holzgartenstraße 22, 93059 Regensburg)
Zabriskie Point
Nach dem Welterfolg von »Blow up« hatte Antonioni freie Hand. Sein nächster Film wurde sein radikalster; er ist bis heute umstritten. Der europäische Autorenfilmer begab sich auf eine ethnographische Reise ins fremde Amerika und landete mitten in der Revolte. »Zabriskie Point« erzählt nicht nur von zwei Außenseitern – von zwei Königskindern, die nicht zueinander kommen können –, sondern auch von den Ideen, und Experimenten und der Gewalt der Jahre um 1970. Die Poesie dieses Films verdankt sich nicht zuletzt der fast schon dokumentarischen Kühle des Blicks und der Lust an der Improvisation.
Antonioni selbst fasst seinen Film so zusammen: »Ein junger Mann und ein Mädchen treffen sich. Sie reden. Das ist es. Alles was vor diesem Gespräch passiert, ist Prolog. Alles was nach dem Gespräch passiert, ist Epilog.« Der Prolog: Das ist die Unruhe einer ganzen Generation, der Aufruhr an der Universität, der plötzliche Tod eines Polizisten, der Beginn einer Hexenjagd. Der Epilog: Das ist vor allem ein gigantisches »love-in« in der Wüste mit Hunderten nackter Paare und die sich in immer neuen Perspektiven wiederholende Explosion einer futuristischen Villa zu den Klängen der Musik von Pink Floyd. Antonioni ist beides gelungen: ein hellsichtiges und düsteres Zeit-Dokument; und die Phantasmagorie eines anderen Daseins, in das freilich das Scheitern und die Zerstörung von Anfang an eingeschrieben sind.



