Kanon 99: Michelangelo Antonioni »Zabriskie Point«

12. April 2010 (Montag) | 19.30 Uhr - Ort:

In einem bei­spiel­lo­sen Pro­jekt wer­den die 100 bes­ten Filme vor­ge­stellt – von den Anfän­gen bis zur unmit­tel­ba­ren Gegen­wart. Jeder Abend beginnt mit einer fun­dier­ten Ein­füh­rung von Dr. Hel­mut Hein. Nach der Vor­füh­rung gibt es in einem Kino­se­mi­nar die Gele­gen­heit zu ver­tie­fen­den Fra­gen und einer kon­tro­ver­sen Dis­kus­sion des Films.

Im Regina Film­thea­ter (Holz­gar­ten­straße 22, 93059 Regensburg)

Zab­ris­kie Point

Nach dem Welt­er­folg von »Blow up« hatte Anto­nioni freie Hand. Sein nächs­ter Film wurde sein radi­kals­ter; er ist bis heute umstrit­ten. Der euro­päi­sche Auto­ren­fil­mer begab sich auf eine eth­no­gra­phi­sche Reise ins fremde Ame­rika und lan­dete mit­ten in der Revolte. »Zab­ris­kie Point« erzählt nicht nur von zwei Außen­sei­tern – von zwei Königs­kin­dern, die nicht zuein­an­der kom­men kön­nen –, son­dern auch von den Ideen, und Expe­ri­men­ten und der Gewalt der Jahre um 1970. Die Poe­sie die­ses Films ver­dankt sich nicht zuletzt der fast schon doku­men­ta­ri­schen Kühle des Blicks und der Lust an der Improvisation.

Anto­nioni selbst fasst sei­nen Film so zusam­men: »Ein jun­ger Mann und ein Mäd­chen tref­fen sich. Sie reden. Das ist es. Alles was vor die­sem Gespräch pas­siert, ist Pro­log. Alles was nach dem Gespräch pas­siert, ist Epi­log.« Der Pro­log: Das ist die Unruhe einer gan­zen Gene­ra­tion, der Auf­ruhr an der Uni­ver­si­tät, der plötz­li­che Tod eines Poli­zis­ten, der Beginn einer Hexen­jagd. Der Epi­log: Das ist vor allem ein gigan­ti­sches »love-in« in der Wüste mit Hun­der­ten nack­ter Paare und die sich in immer neuen Per­spek­ti­ven wie­der­ho­lende Explo­sion einer futu­ris­ti­schen Villa zu den Klän­gen der Musik von Pink Floyd. Anto­nioni ist bei­des gelun­gen: ein hell­sich­ti­ges und düs­te­res Zeit-Dokument; und die Phan­tas­ma­go­rie eines ande­ren Daseins, in das frei­lich das Schei­tern und die Zer­stö­rung von Anfang an ein­ge­schrie­ben sind.

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