In einem beispiellosen Projekt werden die 100 besten Filme vorgestellt – von den Anfängen bis zur unmittelbaren Gegenwart. Jeder Abend beginnt mit einer fundierten Einführung von Dr. Helmut Hein. Nach der Vorführung gibt es in einem Kinoseminar die Gelegenheit zu vertiefenden Fragen und einer kontroversen Diskussion des Films.
Im Regina Filmtheater (Holzgartenstraße 22, 93059 Regensburg)
Triumph des Willens
Ein verbotener Film, ein Film für den Giftschrank! Vermutlich, weil man ihm, ähnlich wie Eisensteins »Potemkin«, zutraut, »die Seele umzupflügen«, den Zuschauern durch die Kraft der Einstellungen und die Tücke der Montage die autonome Urteilsfähigkeit zu rauben und sie empfänglich zu machen für das süße Gift einer menschenverachtenden Ideologie. Leni Riefenstahl hat sich, als alles vorbei war (also nach 1945) gern herausgeredet, sie habe doch nur ein wirkliches Geschehen, den Reichsparteitag 1934 in Nürnberg, dokumentiert. Aber das ist natürlich eine Lüge! Riefenstahls Film ist ein Kunst-Werk par excellence. Alles an ihm ist Inszenierung. Riefenstahl hat »Triumph des Willens« aus 130000m belichtetem Material zusammengeschnitten, sie hat mit einem sicheren Gespür für Effekte die Chronologie verändert.
Das Pathos des großen, außerordentlichen Augenblicks, der »metaphysischen Revolution«, wie Heidegger es nannte, steht im Zentrum ihres Films, alle Fluchtlinien laufen auf den Führer Adolf Hitler zu. Das Regime nannte nicht ohne Grund den Film »staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll«; »Triumph des Willens« lieferte bis 1945 des definitive Selbstbild des Dritten Reichs, spätere Reichsparteitage wurden nicht in dieser Form »dokumentiert«. Die Riefenstahl-Rezeption nach 1945 war ambivalent und heftig. Sie gilt heute, formal, als eine der faszinierendsten Filmemacherinnen der Kinogeschichte; ihre Kunst ist aber alles andere als unschuldig; sie hat mit ihrer »Ästhetisierung der Politik« (Walter Benjamin) die Zustimmung zum Nationalsozialismus und damit auch zu seinen Verbrechen erst möglich gemacht.



