Kanon 99: Leni Riefenstahl »Triumph des Willens«

10. Mai 2010 (Montag) | 19.30 Uhr - Ort:

In einem bei­spiel­lo­sen Pro­jekt wer­den die 100 bes­ten Filme vor­ge­stellt – von den Anfän­gen bis zur unmit­tel­ba­ren Gegen­wart. Jeder Abend beginnt mit einer fun­dier­ten Ein­füh­rung von Dr. Hel­mut Hein. Nach der Vor­füh­rung gibt es in einem Kino­se­mi­nar die Gele­gen­heit zu ver­tie­fen­den Fra­gen und einer kon­tro­ver­sen Dis­kus­sion des Films.

Im Regina Film­thea­ter (Holz­gar­ten­straße 22, 93059 Regensburg)

Tri­umph des Willens

Ein ver­bo­te­ner Film, ein Film für den Gift­schrank! Ver­mut­lich, weil man ihm, ähnlich wie Eisen­steins »Potem­kin«, zutraut, »die Seele umzu­pflü­gen«, den Zuschau­ern durch die Kraft der Ein­stel­lun­gen und die Tücke der Mon­tage die auto­nome Urteils­fä­hig­keit zu rau­ben und sie emp­fäng­lich zu machen für das süße Gift einer men­schen­ver­ach­ten­den Ideo­lo­gie. Leni Rie­fen­stahl hat sich, als alles vor­bei war (also nach 1945) gern her­aus­ge­re­det, sie habe doch nur ein wirk­li­ches Gesche­hen, den Reichs­par­tei­tag 1934 in Nürn­berg, doku­men­tiert. Aber das ist natür­lich eine Lüge! Rie­fen­stahls Film ist ein Kunst-Werk par excel­lence. Alles an ihm ist Insze­nie­rung. Rie­fen­stahl hat »Tri­umph des Wil­lens« aus 130000m belich­te­tem Mate­rial zusam­men­ge­schnit­ten, sie hat mit einem siche­ren Gespür für Effekte die Chro­no­lo­gie verändert.

Das Pathos des gro­ßen, außer­or­dent­li­chen Augen­blicks, der »meta­phy­si­schen Revo­lu­tion«, wie Hei­deg­ger es nannte, steht im Zen­trum ihres Films, alle Flucht­li­nien lau­fen auf den Füh­rer Adolf Hit­ler zu. Das Regime nannte nicht ohne Grund den Film »staats­po­li­tisch und künst­le­risch beson­ders wert­voll«; »Tri­umph des Wil­lens« lie­ferte bis 1945 des defi­ni­tive Selbst­bild des Drit­ten Reichs, spä­tere Reichs­par­tei­tage wur­den nicht in die­ser Form »doku­men­tiert«. Die Riefenstahl-Rezeption nach 1945 war ambi­va­lent und hef­tig. Sie gilt heute, for­mal, als eine der fas­zi­nie­rends­ten Fil­me­ma­che­rin­nen der Kino­ge­schichte; ihre Kunst ist aber alles andere als unschul­dig; sie hat mit ihrer »Ästhe­ti­sie­rung der Poli­tik« (Wal­ter Ben­ja­min) die Zustim­mung zum Natio­nal­so­zia­lis­mus und damit auch zu sei­nen Ver­bre­chen erst mög­lich gemacht.

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