Kanon 99: Lars von Trier »Idioten«

12. Juli 2010 (Montag) | 19.30 Uhr - Ort:

In einem bei­spiel­lo­sen Pro­jekt wer­den die 100 bes­ten Filme vor­ge­stellt – von den Anfän­gen bis zur unmit­tel­ba­ren Gegen­wart. Jeder Abend beginnt mit einer fun­dier­ten Ein­füh­rung von Dr. Hel­mut Hein. Nach der Vor­füh­rung gibt es in einem Kino­se­mi­nar die Gele­gen­heit zu ver­tie­fen­den Fra­gen und einer kon­tro­ver­sen Dis­kus­sion des Films.

Im Regina Film­thea­ter (Holz­gar­ten­straße 22, 93059 Regensburg)

Idio­ten

Ähnlich wie Ang Lee revo­lu­tio­niert auch Lars von Trier das Kino durch einen frem­den Blick; nur dass die­ser bei ihm aus dem Inners­ten der eige­nen Zivi­li­sa­tion kommt. Er war der Vor­den­ker der »Dogma«-Regisseure, die neue Regeln für das Kino auf­stell­ten. Es sollte nicht mehr um die Steue­rung der Gefühle und der Auf­merk­sam­keit durch tech­ni­sche Effekte gehen, son­dern um ein authen­ti­sches (Selbst-)Bild. Kino sollte zu einem Labor wer­den, die Zuschauer soll­ten nicht Träu­mer sein, son­dern pri­vi­le­gierte Beob­ach­ter des frem­den und des eige­nen Daseins. Dabei waren Lars von Triers Ver­suchs­an­ord­nun­gen meist von einer ver­stö­ren­den Radi­ka­li­tät, weil sie alle Lebens­lü­gen und Ver­stel­lun­gen und jeden fal­schen Trost mas­siv atta­ckier­ten. Lars von Trier ist ein reli­giö­ser Fil­me­ma­cher, der mit Vor­liebe den sexu­el­len Grund des Lebens und der Kom­mu­ni­ka­tion unter­sucht – und natür­lich ihre Ver­mach­tung und Ver­zer­rung, die ein Pro­dukt des Miss­lin­gens des Begeh­rens sind. Seine »Idio­ten« sind ein obs­zö­nes Expe­ri­ment; es pro­vo­ziert all das am Men­schen und sei­nen Bezie­hun­gen, was ansons­ten ver­bor­gen, ver­drängt und ver­schwie­gen wird.

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