In einem beispiellosen Projekt werden die 100 besten Filme vorgestellt – von den Anfängen bis zur unmittelbaren Gegenwart. Jeder Abend beginnt mit einer fundierten Einführung von Dr. Helmut Hein. Nach der Vorführung gibt es in einem Kinoseminar die Gelegenheit zu vertiefenden Fragen und einer kontroversen Diskussion des Films.
Im Regina Filmtheater (Holzgartenstraße 22, 93059 Regensburg)
Idioten
Ähnlich wie Ang Lee revolutioniert auch Lars von Trier das Kino durch einen fremden Blick; nur dass dieser bei ihm aus dem Innersten der eigenen Zivilisation kommt. Er war der Vordenker der »Dogma«-Regisseure, die neue Regeln für das Kino aufstellten. Es sollte nicht mehr um die Steuerung der Gefühle und der Aufmerksamkeit durch technische Effekte gehen, sondern um ein authentisches (Selbst-)Bild. Kino sollte zu einem Labor werden, die Zuschauer sollten nicht Träumer sein, sondern privilegierte Beobachter des fremden und des eigenen Daseins. Dabei waren Lars von Triers Versuchsanordnungen meist von einer verstörenden Radikalität, weil sie alle Lebenslügen und Verstellungen und jeden falschen Trost massiv attackierten. Lars von Trier ist ein religiöser Filmemacher, der mit Vorliebe den sexuellen Grund des Lebens und der Kommunikation untersucht – und natürlich ihre Vermachtung und Verzerrung, die ein Produkt des Misslingens des Begehrens sind. Seine »Idioten« sind ein obszönes Experiment; es provoziert all das am Menschen und seinen Beziehungen, was ansonsten verborgen, verdrängt und verschwiegen wird.



