Führung durch die Uni-Kapelle

Jeden Mitt­woch um 12.10 h fei­ern wir in der Uni-Kapelle im Foyer der Zen­tral­bi­blio­thek die »Atem­pause«. Viele Besu­cher ken­nen und schät­zen unsere Kapelle, um dort Ruhe und Erho­lung zu fin­den. Nicht alle aber wis­sen, was für ein beein­dru­cken­des künst­le­ri­sches Kon­zept in die­sem Raum umge­setzt wurde und wel­cher beson­dere Schatz sich hier mit einem Glas­fens­ter des bri­ti­schen Künst­lers Gra­ham Jones befindet.

Uni-Kapelle, Dr. Klemens Martin, Elisabeth Otto

Uni-Kapelle, Dr. Kle­mens Mar­tin, Eli­sa­beth Otto

Am Mitt­woch, den 9. Juni stellte Dr. Kle­mens Mar­tin, ein gro­ßer Freund und För­de­rer der Kapelle im Rah­men einer Füh­rung, die vom Insti­tut für Kunst­ge­schichte der Uni Regens­burg orga­ni­siert wurde, inter­es­sier­ten Stu­die­ren­den, Mit­ar­bei­tern der Uni und Gäs­ten die Kapelle vor. Er schil­derte dabei die Ent­ste­hungs­ge­schichte die­ses sakra­len Rau­mes mit­ten auf dem Cam­pus und erläu­terte beson­ders das Fens­ter von Gra­ham Jones:

Nach der Inten­tion des Künst­lers soll das Fens­ter ein Zei­chen der Hoff­nung sein. Mit der domi­nie­ren­den blauen Farbe strahlt es auf den Betrach­ter eine große Ruhe aus. Das warme Blau, das nach oben hel­ler wird, führt den Betrach­ter aus der Hek­tik des Hoch­schul­be­trie­bes in die Stille und zugleich in eine Gebor­gen­heit, die es ihm ermög­licht, sich zu öffnen für das, was wirk­lich wich­tig ist. So ist er frei für seine eige­nen Über­le­gun­gen, aber auch offen für die Bot­schaft, die der Künst­ler mit die­sem Fens­ter über­brin­gen will.

Die drei auf­ge­leg­ten far­bi­gen, strei­fen­för­mi­gen Glas­bän­der sol­len das Hin­ein­wir­ken der gött­li­chen Drei­fal­tig­keit in die Welt dar­stel­len. Die gelbe Linie sym­bo­li­siert Chris­tus, den Sohn Got­tes, der in die Welt gekom­men ist. In sei­nem Tod ist er gebro­chen und den­noch ist er das helle Licht der Welt. Die blaue Farbe für den Hl. Geist erin­nert an die Taufe. Sie ist Sym­bol für das Was­ser, das der Mensch braucht, um Leben zu kön­nen, so wie gerade der geis­tig Schaf­fende Got­tes Geist braucht. Mit dem über das Blau des Fens­ters geleg­ten blauen Band zeigt der Künst­ler, dass Got­tes Geist der Ursprung aller Hoff­nung ist. Die vio­lette Linie für Gott Vater bleibt optisch im Hin­ter­grund. Im Wir­ken von Got­tes Sohn und Got­tes Geist ist immer auch die Würde des Vaters prä­sent. Pflan­zen­ar­tige Gebilde, im unte­ren Teil des Fens­ters wie eine Tusche­zeich­nung auf­ge­tra­gen, sym­bo­li­sie­ren die Schöp­fung, in die der Drei­ei­nige Gott hineinwirkt.

Bei inten­si­ver Betrach­tung fal­len die zahl­rei­chen blauen Punkte auf, die die drei­far­bi­gen Linien beglei­ten und die Dyna­mik der Aus­sage des Fens­ters noch ver­stär­ken, indem sie neben den ver­ti­ka­len far­bi­gen Linien und dem sich nach oben auf­hel­len­den Blau eine Bewe­gung von unten nach oben auf­zei­gen. Diese Punkte, die die far­bi­gen Linien der gött­li­chen Drei­fal­tig­keit beglei­ten, stel­len die Men­schen auf ihrem Weg zu Gott und mit Gott dar. Der Künst­ler will mit sei­nem Werk zei­gen, dass mensch­li­ches Bemü­hen, das par­al­lel zum Wir­ken Got­tes geschieht, den Men­schen wei­ter bringt.
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