Jeden Mittwoch um 12.10 h feiern wir in der Uni-Kapelle im Foyer der Zentralbibliothek die »Atempause«. Viele Besucher kennen und schätzen unsere Kapelle, um dort Ruhe und Erholung zu finden. Nicht alle aber wissen, was für ein beeindruckendes künstlerisches Konzept in diesem Raum umgesetzt wurde und welcher besondere Schatz sich hier mit einem Glasfenster des britischen Künstlers Graham Jones befindet.
Am Mittwoch, den 9. Juni stellte Dr. Klemens Martin, ein großer Freund und Förderer der Kapelle im Rahmen einer Führung, die vom Institut für Kunstgeschichte der Uni Regensburg organisiert wurde, interessierten Studierenden, Mitarbeitern der Uni und Gästen die Kapelle vor. Er schilderte dabei die Entstehungsgeschichte dieses sakralen Raumes mitten auf dem Campus und erläuterte besonders das Fenster von Graham Jones:
Nach der Intention des Künstlers soll das Fenster ein Zeichen der Hoffnung sein. Mit der dominierenden blauen Farbe strahlt es auf den Betrachter eine große Ruhe aus. Das warme Blau, das nach oben heller wird, führt den Betrachter aus der Hektik des Hochschulbetriebes in die Stille und zugleich in eine Geborgenheit, die es ihm ermöglicht, sich zu öffnen für das, was wirklich wichtig ist. So ist er frei für seine eigenen Überlegungen, aber auch offen für die Botschaft, die der Künstler mit diesem Fenster überbringen will.
Die drei aufgelegten farbigen, streifenförmigen Glasbänder sollen das Hineinwirken der göttlichen Dreifaltigkeit in die Welt darstellen. Die gelbe Linie symbolisiert Christus, den Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. In seinem Tod ist er gebrochen und dennoch ist er das helle Licht der Welt. Die blaue Farbe für den Hl. Geist erinnert an die Taufe. Sie ist Symbol für das Wasser, das der Mensch braucht, um Leben zu können, so wie gerade der geistig Schaffende Gottes Geist braucht. Mit dem über das Blau des Fensters gelegten blauen Band zeigt der Künstler, dass Gottes Geist der Ursprung aller Hoffnung ist. Die violette Linie für Gott Vater bleibt optisch im Hintergrund. Im Wirken von Gottes Sohn und Gottes Geist ist immer auch die Würde des Vaters präsent. Pflanzenartige Gebilde, im unteren Teil des Fensters wie eine Tuschezeichnung aufgetragen, symbolisieren die Schöpfung, in die der Dreieinige Gott hineinwirkt.
Bei intensiver Betrachtung fallen die zahlreichen blauen Punkte auf, die die dreifarbigen Linien begleiten und die Dynamik der Aussage des Fensters noch verstärken, indem sie neben den vertikalen farbigen Linien und dem sich nach oben aufhellenden Blau eine Bewegung von unten nach oben aufzeigen. Diese Punkte, die die farbigen Linien der göttlichen Dreifaltigkeit begleiten, stellen die Menschen auf ihrem Weg zu Gott und mit Gott dar. Der Künstler will mit seinem Werk zeigen, dass menschliches Bemühen, das parallel zum Wirken Gottes geschieht, den Menschen weiter bringt.
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