Schon gut zwei Wochen liegt unsere Vernissage an der KHG zurück, aber die Kunstwerke von Markus Eberl begleiten uns ja noch die kommenden Monate. Daher sei an dieser Stelle einiges von dem, was am Dienstag, den 13. November zu diesen Werken gesagt wurde, nachgetragen.
»dreimal täglich« — diese Arbeit von Markus Eberl steht im Mittelpunkt unseres Kunstprojektes in der Kapelle am Weiherweg. Drei Stelen mit digital bearbeiteten Fotos von Alltagsgegenständen in den Grundfarben magenta, gelb und cyan zeigen exemplarisch die gesante Fülle der Wirklichkeit. Die Stelen sind an der Stirnseite unserer Kapelle angebracht, dort wo in alten Kirchen bunte Glasfenster zwischen drinnen und draußen vermittelten. Die Funktion von Fenstern erfüllen nun die Leuchtkörper in dem ansonsten völlig geschlossenen Raum.
Das passt gut zu unserer Hochschulgemeinde: wir kapseln uns nicht ab und isolieren uns nicht von der Welt um uns herum, sondern wir beziehen alles, was um uns herum geschieht in unser Nachdenken, unser Leben und unseren Glauben ein. Friedrich Nietzsche hat an den Religionen, besonders am Christentum, kritisiert, sie würden das wirkliche Leben durch eine bloß erdachte »Hinterwelt« verdrängen, so als ob es »hinter« der Realität, die wir erfahren noch etwas anderes »Eigentliches« gäbe. Unser Kunstwerk in der KHG zeigt auf symbolische Weise sehr schön, dass das für die Weise, wie wir unseren Glauben verstehen, nicht zutrifft: der Alltag mit seinen Dingen und Erfahrungen wird nicht verdrängt, sondern von innen heraus zum Leuchten gebracht — ganz so wie das Licht der Stelen die transparenten Fotos der Alltagsgegenstände auf ihnen gleichsam »durchleuchtet«.
Besonders gefreut hat uns, dass bei der Vernissage der Künstler selbst einiges zu seinen Werken erläutert konnte. Das Sammeln und Aufsuchen vergessener und nicht mehr gebrauchter Dinge steht für ihn im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens, um damit Erinnerungsspuren freizulegen und fragmentarische Geschichten zu dokumentieren. Zunächst hatte er diese Gegenstände noch ganz handgreiflich eingesammelt, inzwischen hält er sie hauptsächlich mit der Kamera fest und kann durch die Verfremdungsmöglichkeiten der Bildbearbeitung die Kreativität des Betrachters noch stärker in den künstlerischen Prozess mit einbeziehen.
Einen besonderen Akzent setzte Herr Rudolf Fischer, Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik, der in freier Improvisation auf dem Klavier die Wirkungen der Kunstwerke in die Sprache der Musik übersetzte. Zahlreiche Besucher, darunter auch viele schon langjährig der KHG verbundene Freundinnen und Freunde, kamen schon zum Wortgottesdienst, der der Vernissage vorausging und konnten anschließend beim Buffet im KHG-Café noch miteinander über Gott und die Welt plaudern.



